Wir trauern um Alex

Alexander Rudolph
* 8. Dezember 1983 _ † 9. Dezember 2021

Foto von Alex auf der FreiRaum-Teamwand

Wir sind in Trauer und tief betroffen, dass unser lieber Freund Alex im Alter von 38 Jahren plötzlich aus dem Leben gerissen wurde. Alex war bei FreiRaum mehrere Jahre aktiv und hat sich insbesondere im Kernteam, bei Spieleabenden, Gottesdiensten und Beratungen eingebracht.

Sein Sinn für Humor, seine liebenswerte Art und Diskussionsleidenschaft fehlen uns sehr. Wir erinnern uns an viele schöne Momente!

Alex war ein unerschütterlicher Verfechter von Demokratie, Toleranz und „Egalité, Fraternité, Weinschorlé ;-)“. So lagen ihm bei FreiRaum insbesondere die Bedürfnisse von Geflüchteten am Herzen und er unterstützte sie u.a. beim Ausfüllen von Formularen oder bei Sprachschwierigkeiten.

Er ließ uns viel an seinem bunten, tiefgläubigen Leben teilhaben. Alex konnte genießen und dankbar sein und steckte andere mit seiner guten Laune an. Aber er verschwieg auch nicht zweifelnde und schwierige Momente.

FreiRaum-Gottesdienste bereicherte er durch Predigten, die theologisch in die Tiefe gingen und trotzdem alltagsnah allen Zuhörenden Hilfestellungen und Impulse gaben.

Wir vermissen dich, Alex!
Nun kannst du schauen, was du geglaubt hast!

Im Namen aller FreiRaum-Freunde


Predigt von Alex zum Thema »Im Frieden sterben«

Alex bei einem FreiRaum-Gottesdienst

Am 23. November 2019 hatte Alex im FreiRaum-Gottesdienst über die Aussage Simeons »Herr, jetzt kann ich in Frieden sterben« (Lukas 2,25-35) gepredigt.

Uns bewegt es sehr, heute diese Worte von Alex zu lesen. In ihnen können wir seine Gedanken zum Thema Sterben nachlesen und dabei sein großes Vertrauen in Gott spüren.

Wir möchten hier einige Abschnitte aus dieser Predigt wiedergeben:

Ich gebe zu, so mancher Moment in meinem Leben war mir einfach unerträglich. Und ich vermute, euch allen ist es auch so gegangen, liebe Schwestern und Brüder. Jedem und jeder aus seiner und ihrer Situation heraus. Und wenn ich mein Leben Revue passieren lasse und in mich selbst schaue, dann merke ich: In allem, was ich tue, ich werde allein nie genug tun können, um das Leben gelingen zu lassen, in Frieden sterben zu können. So sehr ich mich auch anstrenge und abmühe, jede Gelegenheit nutze, meine Bucket-List abzuarbeiten, anständig zu leben, niemandem etwas schuldig zu bleiben. Ich allein kann es nicht schaffen, dass Krieg, Terror, Krankheit, Not, Elend und Gewalt endlich ein Ende hat.

Und ja, immer noch hoffe ich, dass dieses Kind in der Krippe es endlich gut sein lässt, den Verantwortlichen Einhalt gebietet.
Aber der, der da kommt, richtet nicht. Und nichts liegt ihm ferner als zu sagen: „Ihr schlimmen Leute, was habt ihr gefehlt, verschuldet, verschwiegen, verbummelt, aufgeschoben, euer Leben nicht gut genug gelebt!“

Jesus erträgt es, dieses Menschenleben. Er, Gottes menschgewordene Liebe, lebt dieses Menschenleben mit all seinen Konsequenzen: Von den widrigen Verhältnissen bei der Ge- burt im Stall von Bethlehem bis hin zum Kreuz auf Golgatha. Gott weiß, wie gottverlassen sich einer fühlt, der nicht in Frieden sterben kann. Er ist ein Mitleidender, sympathischer Gott. Er leidet mit: leidet unter der Aggression der Spötter und Verunsicherten. Leidet mit den Verzweifelten, die sich schuldig fühlen. Mit denen, die kein erfülltes Leben haben, nicht in Frieden sterben können.

Für all das Unperfekte, Unerledigte, Unfriedliche in uns, für uns, hat sich Jesus ans Kreuz schlagen lassen. Damit gilt am Kreuz, was Gott schon zu Weihnachten zusagt: Fürchtet euch nicht! Er tat es aus Hingabe und Liebe, um uns aus diesem Strudel der Unerfülltheit und des friedlosen Todes zu holen. Darum geht es, liebe Schwestern und Brüder, wir sollen wieder ins Leben geholt werden. Aufstehen lernen gegen die tödliche Macht von Gewalt, Krankheit und Elend. Und das geht nicht ohne das Kreuz, nicht am Kreuz vorbei. Ohne die Sicht auf uns selbst, auf unsere eigene Vergebungsbedürftigkeit. Aber: Fürchtet euch nicht! Hinter dem Kreuz leuchtet schon das Neue auf!

Fürchten wir uns also nicht, die zu sein, die wir sind. Denn nicht Strafe, nicht Rache kommt uns entgegen, sondern Trost, Klarheit und vor allem eins: Gnade! Gnade, die uns miteinan- der ins Reine bringt. Als Unerfüllte und Unfertige vielleicht, aber als Menschen, die geliebt sind und vor allem: Vor Gott gerecht gesprochen aus Gnade. Herr, mach noch einmal deinen Frieden mit uns, damit wir werden, was wir vor dir schon sind: gerecht!
Wie können wir nun von uns sagen, dass wir in Frieden sterben können? Wir können uns Simeon als Beispiel nehmen. Dieses Vertrauen auf Gott, das können wir aufbauen, weil eben alles Gnade ist. Mit Gott unseren Frieden machen, mit unserem Leben Frieden machen, in Frieden sterben. Jeden Tag können wir Gott das anvertrauen, was wir nicht geschafft haben, was wir schuldig geblieben sind, was auf unserer Bucket-List noch offen ist. Loslassen, weil wir wissen, dass wir gehalten sind. Ich habe mir zum Bespiel Luthers Abendsegen als tägliches Ritual angewöhnt. Jeden Abend lege ich alles in Gottes Hand und vertraue mich so seiner Gnade an. Allein können wir nicht in Frieden sterben. Wir brauchen dazu Gott und sein heilendes Wirken in dieser Welt, Jesus Christus. (…)

Fürchtet euch nicht! Gott lässt niemanden im Stich! Aufgeben ist keine Option!
Vertrauen aufbauen, das ist nicht leicht, das braucht Zeit. Das weiß ich selbst aus eigener Erfahrung gut genug. Gottes Liebe und Gnade muss sich erst durcharbeiten durch all unseren Schmerz, die Trauer, das Leid. Aber Gottes Zusage steht, trotz allem: Fürchtet euch nicht! Das Licht leuchtet an Weihnachten über der Krippe über dem Stall von Bethlehem. Und es leuchtet weit über das Kreuz hinaus, weit über Krieg, Terror, Gewalt, Schuld, Sünde und Tod hinweg. Weil wir als Christen darauf vertrauen können, dass mit dem Tod nicht alles aus ist und sich das Leben eben erst in der Ewigkeit erfüllt und vollendet.

Und der Friede Gottes, der so viel größer ist als all unser menschliches Verstehen, er bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen!